Lichtsteuerung für Parkhaus und Tiefgarage verbindet zwei Ziele, die oft als Widerspruch gelten: Sicherheit und Einsparung. Die Lösung ist kein Ausschalten, sondern ein dauerhaftes Grundlicht, das bei Bewegung in der jeweiligen Zone auf volles Licht hochfährt. So bleiben Fahrgassen, Gehwege und Treppenhäuser jederzeit orientierbar, während die volle Leistung nur dort anliegt, wo gerade ein Fahrzeug fährt oder eine Person unterwegs ist.

Warum Parkhäuser so viel Licht verbrauchen

Tiefgaragen haben kein Tageslicht, Parkhäuser nur an den Rändern und auf dem Oberdeck. Gleichzeitig sind sie lange geöffnet, in Bürogebäuden, Kliniken oder Wohnanlagen häufig rund um die Uhr. Die Beleuchtung läuft deshalb oft durchgehend mit voller Leistung, obwohl in den meisten Stunden nur vereinzelt Fahrzeuge ein- und ausfahren. Nachts und am Wochenende stehen viele Ebenen fast leer.

Der Hebel ist hier nicht, Licht wegzunehmen, sondern volle Leistung nur bei tatsächlicher Nutzung bereitzustellen. Weil Parkhausbeleuchtung so viele Betriebsstunden hat, wirkt jede Absenkung über das ganze Jahr. Eine Abschätzung für Ihre Anlage liefert der Einsparrechner.

Grundlicht statt Dunkelheit: das Sicherheitsprinzip

Ein dunkles Parkdeck wirkt unsicher, auch wenn das Licht bei Bewegung sofort angeht. Deshalb hat sich in Parkhäusern und Tiefgaragen das Prinzip Grundlicht durchgesetzt:

  • Unbelegt: Die Leuchten einer Zone laufen auf einem abgesenkten Grundniveau. Die Ebene bleibt überschaubar, Kameras erfassen weiterhin Bilder, niemand betritt einen dunklen Raum.
  • Belegt: Sobald ein Fahrzeug oder eine Person erkannt wird, fährt die Zone und gegebenenfalls die nächste Zone in Fahrtrichtung auf volles Licht.
  • Nachlauf: Nach Ende der Bewegung bleibt das Licht für eine einstellbare Zeit hoch und dimmt dann sanft zurück.

Welches Grundniveau und welche Beleuchtungsstärke im belegten Zustand angemessen sind, hängt von Nutzung, Betreiberanforderungen und den einschlägigen Regeln ab. Die Steuerung wird so eingestellt, dass sie diese Vorgaben einhält – sie legt sie nicht fest. Mehr zur Strategie im Ratgeber Grundlicht und Korridorfunktion.

Zonen planen: Fahrgassen, Gehwege, Rampen

Die Qualität einer Parkhaussteuerung entscheidet sich bei der Zonenbildung:

ZoneNutzungEmpfehlung für die Steuerung
FahrgassenFahrzeuge in BewegungZonen entlang der Fahrtrichtung, die nächste Zone wird vorgeschaltet
StellplatzreihenEin- und Aussteigen, Gehen zum Ausgangeigene Zone oder gemeinsam mit der angrenzenden Fahrgasse
Rampen und Ein-/AusfahrtenÜbergang zwischen Ebenen und Außenbereichlängere Nachlaufzeit, Vorschaltung der Zielebene
Gehwege, Treppenhäuser, AufzugsvorräumeFußgängereigene Zonen, sicherheitsorientiert mit großzügigem Nachlauf
Kassenautomaten, EingängeAufenthalt mit wenig Bewegunghöheres Grundniveau oder Zeitprogramm
Oberdeck, offene FassadenTageslicht, WitterungTageslicht- bzw. Dämmerungssteuerung, wettergeschützte Sensorik

Das Vorschalten ist der Schlüssel zur Akzeptanz: Ein Auto, das in eine Fahrgasse einbiegt, soll den Weg vor sich bereits hell sehen. In einem Bluetooth-Mesh-Netz lassen sich benachbarte Zonen ohne zusätzliche Leitungen verknüpfen, sodass die Meldung eines Sensors auch die Folgezone hochfährt.

Fußgänger zuerst

Fahrzeuge sind gut zu erfassen, Fußgänger zwischen geparkten Autos weniger. Deshalb bekommen Gehwege, Treppenhäuser und Aufzugsvorräume eigene Sensoren mit Blick auf die Laufwege. Wer zu seinem Fahrzeug geht, soll nicht erst in der Fahrgasse erkannt werden.

Welche Sensoren in Parkhaus und Tiefgarage passen

Tiefgaragen haben oft niedrige Decken, Parkdecks zum Teil offene Seiten und Feuchte durch nasse Fahrzeuge im Winter. Aus unserem Programm kommen nach Datenblatt vor allem diese Lösungen infrage:

  • MWS105E: Mikrowellensensor für den verdeckten Einbau in Leuchten, laut Datenblatt für Montagehöhen bis 6,5 m und eine Erfassung bis 15 m, Empfindlichkeit von 0 bis 100 % einstellbar. Das Datenblatt nennt Tiefgaragen als Einsatzbereich in geeigneter Leuchte. Der Sensor selbst hat IP20 – den Schutz gegen Feuchte und Staub muss daher die Leuchte bieten. Angebunden wird er über den Bluetooth-Node FA102.
  • EFS106W: robuster Sensor mit Schutzart IP66, UV-beständigem Gehäuse und Fotozelle für Hold-ON/OFF-Betrieb. Laut Datenblatt für Außenbeleuchtung und Parkplätze vorgesehen und damit eine Option für offene Parkdecks und Zufahrten mit entsprechender Montagehöhe.

Mikrowellensensoren erfassen Bewegung auch durch dünne, nichtmetallische Materialien, deshalb können sie unsichtbar in der Leuchte sitzen. Die Empfindlichkeit muss allerdings so eingestellt werden, dass Bewegungen hinter Wänden oder auf der Nachbarebene nicht auslösen. Einen Vergleich der Verfahren bietet der Ratgeber PIR, Ultraschall, Mikrowelle, eine Vorauswahl der Sensor-Finder.

Offene Parkdecks und Außenflächen

Auf dem Oberdeck und an offenen Fassaden spielt Tageslicht eine Rolle. Hier wird die Beleuchtung tagsüber abgesenkt oder abgeschaltet und erst mit der Dämmerung aktiviert, ergänzt um Präsenzsteuerung in der Nacht. Wie Dämmerungs- und Astrosteuerung zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Außenbeleuchtung steuern mit Dämmerung und Astro, die Lösung im Überblick finden Sie unter Außenbeleuchtung.

Notbeleuchtung bleibt ein eigenes System

Die Sicherheits- und Notbeleuchtung in Parkhäusern und Tiefgaragen unterliegt eigenen Vorgaben und ist ein eigenständiges System. Die Präsenzsteuerung der Allgemeinbeleuchtung ersetzt sie nicht und darf ihre Funktion nicht beeinträchtigen. Bei der Planung stimmen wir die Lichtsteuerung mit der vorhandenen Notbeleuchtung ab, ohne in diese einzugreifen.

Daten und Betrieb

Jedes Projekt setzen wir mit dem AU-Manager um, sodass alle Sensoren Belegungs- und Verbrauchsdaten liefern. Betreiber sehen, zu welchen Zeiten welche Ebenen genutzt werden, und können Grundniveaus, Nachlaufzeiten und Zeitprogramme gezielt anpassen – etwa zusätzliche Ebenen nachts nur bei Bedarf hochfahren. Der Zugriff erfolgt laut Datenblatt per LAN oder 4G-Router, auch aus der Ferne. Mehr unter Energiemonitoring und GLT.

Pflicht und Förderung in dieser Branche

Eigenständige Parkhäuser haben oft keine Heizungs- oder Klimaanlage über 70 kW. Tiefgaragen sind dagegen häufig Teil eines größeren Nichtwohngebäudes, und dann zählt dessen Anlagentechnik. Liegt eine Heizungs-, Klima- oder kombinierte Lüftungsanlage über 70 kW vor, verlangt § 56 Abs. 6 GModG bis 31.12.2029 eine automatische Beleuchtungssteuerung; Zonierung und Belegungserkennung sind als Soll-Vorgabe der Regelfall. Die Beleuchtung zählt nicht zum Schwellwert, gehört als gebäudetechnisches System aber zur Pflicht, sobald die Schwelle erreicht ist. Und wo keine Pflicht besteht, wirkt die Einsparung trotzdem ab dem ersten Tag. Details auf Lichtsteuerung-Pflicht und im Ratgeber Pflichten für Nichtwohngebäude.

Die Beleuchtung als eigene BEG-Einzelmaßnahme ist seit 21.07.2026 gestrichen. Als Teil eines Gebäudeautomations-Pakets mindestens Klasse B nach DIN V 18599-11 wird Lichtsteuerung weiterhin mit 15 % gefördert. Mehr im Ratgeber Förderung für Lichtsteuerung.

So unterstützen wir Sie

Wir nehmen Ihr Parkhaus oder Ihre Tiefgarage vor Ort auf, planen Zonen für Fahrgassen, Gehwege und Rampen und legen Grundlicht, Vorschaltung und Nachlaufzeiten fest. Das Ergebnis sehen Sie vorab in 3D in Sensora. Die Montage übernehmen wir in der Regel selbst, auf Wunsch montiert Ihr eigener Elektrofachbetrieb. Das Monitoring über den AU-Manager ist von Anfang an dabei. Sprechen Sie uns über Kontakt an.

Interaktiv ausprobieren

Einsparrechner

Werkzeug wird geladen …

Häufige Fragen

Darf das Licht in der Tiefgarage ausgeschaltet werden?

Üblich ist kein vollständiges Ausschalten, sondern ein Grundlicht, das bei Bewegung auf volles Licht hochfährt. So bleibt die Tiefgarage orientierbar und wirkt sicher. Welche Werte gelten, hängt von Nutzung und den einschlägigen Vorgaben ab.

Welcher Sensor eignet sich für Tiefgaragen?

Für den verdeckten Einbau in Leuchten eignet sich der Mikrowellensensor MWS105E, laut Datenblatt für Montagehöhen bis 6,5 m und Erfassung bis 15 m. Er hat selbst IP20, den Schutz gegen Feuchte muss die Leuchte bieten. Für offene Parkdecks kommt der EFS106W mit IP66 infrage.

Wie wird verhindert, dass Autofahrer ins Dunkle fahren?

Zonen werden entlang der Fahrtrichtung gebildet und miteinander verknüpft. Erkennt ein Sensor ein Fahrzeug, fährt auch die nächste Zone hoch. Rampen und Einfahrten schalten die Zielebene vor.

Ersetzt die Lichtsteuerung die Notbeleuchtung?

Nein. Die Notbeleuchtung ist ein eigenes System mit eigenen Vorgaben. Die Präsenzsteuerung regelt nur die Allgemeinbeleuchtung und darf die Notbeleuchtung nicht beeinträchtigen.

Gilt die Pflicht nach § 56 GModG auch für Parkhäuser?

Das hängt von der Anlagentechnik ab. Entscheidend ist eine Heizungs-, Klima- oder kombinierte Lüftungsanlage über 70 kW. Tiefgaragen in großen Nichtwohngebäuden können betroffen sein, eigenständige offene Parkhäuser oft nicht. Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.