Industriesensorik für Hallen und Produktion sorgt dafür, dass Licht dort brennt, wo gearbeitet wird – und nicht in leeren Gängen, Nebenflächen oder stillstehenden Linien. Gemeint sind Präsenz- und Tageslichtsensoren für große Montagehöhen, die Leuchten zonenweise schalten und dimmen und dabei Schichtpläne, Maschinenwärme und Staplerverkehr berücksichtigen. Für Produktionsleiter, Facility Manager und Energiebeauftragte ist das einer der wirksamsten Hebel, um Stromkosten zu senken, ohne Arbeitsschutz und Prozesse zu gefährden.

Warum Licht in der Produktion so oft unnötig brennt

In vielen Produktionshallen wird die Beleuchtung zentral eingeschaltet und läuft durch, solange irgendwo gearbeitet wird. Das hat organisatorische Gründe: Niemand ist für das Ausschalten zuständig, Schalter liegen weit entfernt, und im Zweifel bleibt das Licht lieber an. Die Folge sind beleuchtete Flächen ohne Nutzung:

  • Linien im Stillstand zwischen Aufträgen, während Wartung oder bei reduzierter Schichtbesetzung.
  • Nebenflächen wie Materialpuffer, Leergutbereiche, Werkzeuglager oder Prüfplätze, die nur zeitweise betreten werden.
  • Verkehrswege und Randbereiche, die nachts und am Wochenende fast niemand nutzt.
  • Tageslichtzonen unter Lichtbändern und Oberlichtern, in denen Kunstlicht über Stunden nicht nötig wäre.

Industriesensorik löst das nicht mit einem einzelnen Bewegungsmelder an der Hallentür, sondern mit einem Raster vernetzter Sensoren, das die Halle in Zonen aufteilt. Jede Zone reagiert auf ihre eigene Belegung, benachbarte Zonen können sich gegenseitig vorschalten. Grundlagen dazu finden Sie im Ratgeber Präsenzmelder vs. Bewegungsmelder.

Welche Sensorik in welche Zone gehört

Eine Produktionshalle ist selten homogen. Hohe Fertigungsbereiche, niedrige Einbauten, Büros an der Hallenwand und feuchte Bereiche brauchen unterschiedliche Sensoren. Die folgende Übersicht nutzt ausschließlich Angaben aus unseren Datenblättern:

BereichTypische SituationPassende Sensorik
Fertigungshalle, hohe DeckeLeuchten in großer Höhe, Maschinen, KraneEFS104 (120–277 V AC, über 6 m, mit HBL3-2 bis 22 m) oder EFS106 (12 V DC über AUX, 5–22 m)
Feuchte oder staubige Bereiche, WaschplätzeSpritzwasser, Reinigung, AußenkontaktEFS106W mit Schutzart IP66 laut Datenblatt
Niedrige Einbauten, ZwischengeschosseMontagehöhe bis wenige Meter, verdeckter Einbau gewünschtMWS105E (Mikrowelle, Montage bis 6,5 m, Einbau in Leuchten)
Meisterbüro, Sozialräume, Besprechungkleine Räume, sitzende TätigkeitEFS107E (PIR und Ultraschall, Räume bis 56 m²)

Die Highbay-Sensoren arbeiten mit PIR-Erfassung und dem AlgoH2-Algorithmus, der laut Hersteller die Erkennung in großen Höhen verbessert und Fehlalarme reduzieren soll. Wie Linse, Raster und Überlappung in hohen Hallen geplant werden, beschreibt der Ratgeber Highbay-Sensoren für Hallen und Lager ausführlich. Einen schnellen Vorschlag für Ihre Einbausituation liefert der Sensor-Finder.

Schichtbetrieb abbilden: Präsenz, Zeitprogramm und Grundlicht

Im Schichtbetrieb reicht reine Präsenzerkennung oft nicht aus. Bewährt hat sich eine Kombination aus drei Ebenen:

  • Zeitprogramme legen fest, wann eine Zone grundsätzlich aktiv ist – etwa entsprechend Früh-, Spät- und Nachtschicht oder mit reduziertem Betrieb am Wochenende. Für die Zeitsynchronisation einer Bluetooth-Mesh-Zone steht die Echtzeituhr CR01 zur Verfügung, zentral übernimmt das der AU-Manager mit Zeitplänen auf Grundrissplänen.
  • Präsenzerkennung entscheidet innerhalb der aktiven Zeit, ob eine Zone volles Licht braucht oder abgesenkt werden kann.
  • Grundlicht hält Verkehrswege und Nachbarbereiche orientierbar, damit niemand in eine dunkle Zone fährt oder läuft. Welches Grundniveau passt, ergibt sich aus Nutzung und Gefährdungsbeurteilung. Hintergründe im Ratgeber Grundlicht und Korridorfunktion.

Wichtig für die Akzeptanz: Das Licht muss da sein, bevor jemand es braucht. An Hallentoren, Kreuzungen und Übergängen zwischen Zonen sollte ein Sensor vorausschauend schalten oder die Nachbarzone mit einbeziehen. Nachlaufzeiten richten sich nach der Nutzung – in stark frequentierten Bereichen länger, in selten genutzten Nebenflächen kürzer.

Maschinen, die ohne Personen laufen

Automatisierte Anlagen arbeiten oft auch dann, wenn niemand an der Linie steht. Ob dort dennoch Licht gebraucht wird, etwa für Kameraüberwachung, Sichtprüfung oder Sicherheitsbereiche, legen Sie im Projekt fest. Solche Bereiche können als eigene Zone mit festem Niveau oder mit Zeitprogramm statt reiner Präsenzsteuerung betrieben werden.

Störquellen in der Produktion beherrschen

Produktionshallen sind für Sensoren anspruchsvoller als Büros. Typische Ursachen für Fehlauslösungen oder Erfassungslücken:

  • Wärmequellen: Öfen, Warmlufterzeuger, Kompressoren oder Abluft können PIR-Sensoren stören. Der Sensor sollte nicht direkt auf solche Quellen blicken.
  • Krane und bewegte Lasten: Hallenkrane bewegen sich nahe an der Decke durch das Erfassungsfeld. Sensorpositionen und Linsen werden so gewählt, dass der Boden erfasst wird, nicht die Kranbahn.
  • Abschattung durch Anlagen: Hohe Maschinen und Regale verdecken Bereiche. Das Raster muss so dicht sein, dass auch Arbeitsplätze hinter Anlagen erfasst werden.
  • Tore und Tageslicht: Offene Tore und Oberlichter verändern Temperatur und Helligkeit schnell. Tageslichtnutzung und Positionierung abseits der Torbereiche helfen.

Mikrowellensensoren wie der MWS105E reagieren anders als PIR und lassen sich laut Datenblatt in der Empfindlichkeit von 0 bis 100 % einstellen – nützlich bei niedrigen Einbauten. Einen Vergleich der Verfahren bietet der Ratgeber PIR, Ultraschall, Mikrowelle.

Arbeitsschutz und Beleuchtungsstärke einhalten

Lichtsteuerung darf die Anforderungen an Arbeitsstätten nicht unterlaufen. Maßgeblich sind die ASR A3.4 und die DIN EN 12464-1 mit ihren Werten für Arbeitsplätze und Verkehrswege. Eine gute Steuerung dimmt deshalb nicht pauschal, sondern hält im belegten Zustand die geforderte Beleuchtungsstärke und senkt nur dort ab, wo niemand arbeitet. Mehr dazu im Ratgeber Beleuchtungsstärke nach ASR A3.4 und DIN EN 12464-1.

Die Sicherheitsbeleuchtung ist ein eigenes System mit eigenen Vorgaben. Sie wird von der Präsenzsteuerung nicht geschaltet und muss unabhängig davon funktionieren.

Daten aus der Halle: Monitoring für das Energiemanagement

Jedes Projekt setzen wir mit dem AU-Manager (Autani EnergyCenter) um. Dadurch liefern alle Sensoren nicht nur Schaltbefehle, sondern auch Belegungs- und Verbrauchsdaten. Für Industriebetriebe ist das in mehrfacher Hinsicht nützlich:

  • Transparenz: Sie sehen, welche Hallenbereiche wann tatsächlich genutzt werden, und können Zeitprogramme gezielt anpassen.
  • Energiemanagement: Unternehmen mit Energie- oder Umweltmanagementsystem nach EnEfG bekommen belastbare Daten für die Beleuchtung. Hintergründe im Ratgeber EnEfG und Beleuchtung.
  • Gebäudeautomation: Der AU-Manager unterstützt laut Datenblatt BACnet/IP und kann so an eine bestehende Leittechnik angebunden werden – siehe Energiemonitoring und GLT.

Wie Sie die Einsparung für Ihre Halle abschätzen, zeigt der Einsparrechner.

Nachrüsten im laufenden Betrieb

Produktionsstillstand für eine neue Lichtsteuerung ist meist keine Option. Weil die Sensoren per Bluetooth Mesh kommunizieren, entfallen neue Steuerleitungen. Das verkürzt die Arbeiten in großer Höhe, die in Hallen ohnehin Hubarbeitsbühnen und Abstimmung mit der Produktion erfordern. Häufig wird die Sensorik gemeinsam mit einer LED-Umrüstung eingebaut, siehe LED-Umrüstung mit Sensorik. Bei neuen Leuchten mit AUX-Schnittstelle wird der EFS106 direkt an der Leuchte angesteckt, bei Bestandsleuchten bietet sich der netzversorgte EFS104 an. Einen Überblick über die Lösung gibt die Seite Hallen und Logistik.

Pflicht und Förderung in dieser Branche

Viele Produktionsgebäude sind Nichtwohngebäude mit großen Heizungs- oder Lüftungsanlagen. Nach § 56 Abs. 6 GModG brauchen Nichtwohngebäude mit einer Heizungs-, Klima- oder kombinierten Lüftungsanlage über 70 kW bis 31.12.2029 eine automatische Beleuchtungssteuerung; Zonierung und Belegungserkennung sind als Soll-Vorgabe der Regelfall. Dass die Beleuchtung selbst nicht zum Schwellwert zählt, ändert daran nichts: Die Schwelle ist nur der Auslöser, und die Beleuchtung ist nach § 3 Abs. 1 Nr. 10a GModG ein gebäudetechnisches System, das dann zur Pflicht gehört. Ein Bußgeld ist laut Wortlaut nur für die Gebäudeautomation nach Abs. 1 vorgesehen – die Sensoren liefern aber genau die Belegungs- und Verbrauchsdaten, die diese Gebäudeautomation braucht. Details auf der Seite Lichtsteuerung-Pflicht und im Ratgeber 70-kW-Schwelle prüfen.

Die Beleuchtung ist als eigene BEG-Einzelmaßnahme seit 21.07.2026 gestrichen. Lichtsteuerung kann aber Teil eines geförderten Gebäudeautomations-Pakets mindestens Klasse B nach DIN V 18599-11 sein, das mit 15 % bezuschusst wird. Mehr im Ratgeber Förderung für Lichtsteuerung.

So unterstützen wir Sie

Wir nehmen Ihre Halle vor Ort auf, planen Zonen, Sensorraster und Zeitprogramme passend zu Ihrem Schichtbetrieb und zeigen das Ergebnis vorab in 3D in Sensora. Die Montage übernehmen wir in der Regel selbst, auf Wunsch arbeitet Ihr eigener Elektrofachbetrieb mit. Über den AU-Manager ist das Monitoring von Anfang an dabei. Sprechen Sie uns über Kontakt an.

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Häufige Fragen

Welche Sensoren eignen sich für Produktionshallen?

Für hohe Hallen eignen sich Highbay-Sensoren wie EFS104 und EFS106, die laut Datenblatt mit der Linse HBL3-2 bis 22 m Montagehöhe ausgelegt sind. Für feuchte Bereiche gibt es den EFS106W mit IP66, für niedrige Einbauten den Mikrowellensensor MWS105E.

Wie funktioniert Lichtsteuerung im Schichtbetrieb?

Zeitprogramme legen fest, wann eine Zone aktiv ist, die Präsenzerkennung entscheidet innerhalb dieser Zeit über volles oder abgesenktes Licht. Grundlicht hält Verkehrswege orientierbar. Die Zeitpläne werden zentral im AU-Manager oder zonenweise über die Echtzeituhr CR01 verwaltet.

Stören Maschinen und Krane die Präsenzerkennung?

Wärmequellen, Kranbewegungen und offene Tore können PIR-Sensoren beeinflussen. Abhilfe schaffen eine passende Sensorposition, geeignete Linsen und ein dichtes Raster. Der AlgoH2-Algorithmus der Highbay-Sensoren soll Fehlalarme zusätzlich reduzieren.

Bleibt die vorgeschriebene Beleuchtungsstärke erhalten?

Ja, die Steuerung wird so eingestellt, dass belegte Arbeitsbereiche die Werte nach ASR A3.4 und DIN EN 12464-1 einhalten. Abgesenkt wird nur dort, wo niemand arbeitet. Die Sicherheitsbeleuchtung bleibt ein eigenes, unabhängiges System.

Kann die Sensorik ohne Produktionsstillstand nachgerüstet werden?

In der Regel ja. Die Sensoren kommunizieren per Bluetooth Mesh, neue Steuerleitungen entfallen. Die Arbeiten in der Höhe werden abschnittsweise mit der Produktion abgestimmt.