Lichtsteuerung im Kühlhaus und Tiefkühllager lohnt sich besonders, weil Personen dort meist nur kurz arbeiten und das Licht trotzdem oft durchgehend brennt. Präsenzsensoren schalten die Beleuchtung bei Bedarf zu und senken sie danach wieder ab. Entscheidend sind Sensoren, die Kälte, Feuchte und Kondensat aushalten – etwa der Highbay-Sensor EFS106W mit Schutzart IP66 laut Datenblatt – und eine Planung, die Tore, Schleusen und Kälteschutzkleidung berücksichtigt.
Warum sich Lichtsteuerung im Kühlhaus besonders lohnt
Kühl- und Tiefkühllager werden anders genutzt als normale Lagerhallen. Mitarbeiter fahren ein, lagern ein oder kommissionieren und verlassen den Bereich wieder, schon wegen der Kälte. Zwischen diesen Einsätzen ist der Raum leer. Wenn das Licht in dieser Zeit durchbrennt, entstehen zwei Verluste:
- Strom für die Beleuchtung selbst, über viele Stunden ohne Nutzen.
- Zusätzliche Wärmelast, denn die elektrische Leistung der Leuchten landet als Wärme im gekühlten Raum. Die Kälteanlage muss diese Wärme wieder abführen.
Präsenzsteuerung reduziert beides gleichzeitig. Das macht Kühlbereiche zu einem der wirtschaftlich interessantesten Einsatzorte für Sensorik. Eine Abschätzung für Ihre Flächen liefert der Einsparrechner – die Entlastung der Kälteanlage kommt qualitativ hinzu und hängt von Ihrer Anlage ab.
Kälte, Feuchte und Kondensat: was der Sensor aushalten muss
Im Kühlhaus herrschen Bedingungen, für die Standard-Präsenzmelder nicht gedacht sind. Bei der Auswahl kommt es auf diese Punkte an:
- Temperaturbereich: Die Highbay-Sensoren EFS104, EFS106 und EFS106W sind laut Datenblatt für Betriebstemperaturen von −33 °C bis 65 °C spezifiziert. Prüfen Sie, ob die tatsächliche Raumtemperatur Ihres Tiefkühlbereichs innerhalb dieses Bereichs liegt.
- Schutzart: Der EFS106W hat laut Datenblatt Schutzart IP66 und ein einteiliges, UV-beständiges Nylongehäuse. EFS104 und EFS106 haben IP40 und sind damit eher für trockene Bereiche gedacht.
- Kondensat und Vereisung: Wo warme, feuchte Luft auf kalte Flächen trifft, etwa an Toren und in Schleusen, bildet sich Kondensat oder Reif. Ob ein Sensor für diese Bedingungen dauerhaft geeignet ist, steht nicht pauschal fest – das ist laut Datenblatt und im Zweifel mit dem Hersteller zu prüfen.
- Leuchte und Betriebsgerät: Der EFS106W wird über die 12-V-AUX-Schnittstelle des Treibers versorgt. Die Leuchte samt Treiber muss für den Kühl- oder Tiefkühlbereich freigegeben sein – das steht im Datenblatt der Leuchte, nicht in dem des Sensors.
Sensoren im Kühlhaus richtig platzieren
Gassen und Regalbereiche
Viele Kühlhäuser sind als Hochregal- oder Blocklager organisiert. Wie im normalen Lager gilt: Der Sensor gehört mittig über die Gasse, jede Gasse wird eine eigene Zone, und am Gassenanfang wird vorgeschaltet, damit der Stapler nicht ins Dunkle fährt. Details zur gangweisen Planung im Ratgeber Bewegungsmelder für Lagerhalle und Hochregallager, zur Linsenwahl in großer Höhe im Ratgeber Highbay-Sensoren für Hallen und Lager.
Tore, Schnelllauftore und Schleusen
An Toren treffen Luftmassen unterschiedlicher Temperatur aufeinander. Für PIR-Sensoren, die auf Wärmeunterschiede reagieren, ist das eine mögliche Störquelle. Positionieren Sie Sensoren deshalb nicht direkt über dem Torbereich mit Blick auf die Toröffnung, sondern so, dass sie den Fahrweg dahinter erfassen. Schleusen und Vorzonen bekommen eine eigene Zone, die beim Durchfahren schon die anschließende Kühlzone vorschaltet.
Personen in Kälteschutzkleidung
Kälteschutzkleidung dämpft die Wärmeabstrahlung des Körpers, gleichzeitig ist der Kontrast zur kalten Umgebung groß. Wie gut die Erfassung in Ihrem Kühlbereich funktioniert, zeigt sich am zuverlässigsten bei der Inbetriebnahme: Begehen und befahren Sie die Zonen mit den echten Fahrzeugen und in der echten Arbeitskleidung. Das AlgoH2-Verfahren der Highbay-Sensoren soll die Erkennung in großen Höhen verbessern und Fehlalarme reduzieren, ersetzt aber nicht den Test vor Ort.
Kurze Aufenthalte: Nachlaufzeiten und Grundlicht
Weil sich Personen im Kühlbereich meist nur kurz aufhalten, sind kurze Nachlaufzeiten naheliegend. Zu kurz dürfen sie aber nicht sein: Wer in einer Gasse kommissioniert und sich dabei wenig bewegt, darf nicht plötzlich im abgesenkten Licht stehen. Bewährt hat sich:
- Gassen mit kurzer bis mittlerer Nachlaufzeit und Absenkung auf ein Grundlicht statt Abschaltung.
- Hauptwege, Tore und Schleusen mit längerer Nachlaufzeit oder dauerhaftem Grundlicht, weil sie sicherheitsrelevant sind.
- Kommissionierplätze mit eigener Zone und Nachlaufzeiten, die zur Arbeitsweise passen.
Welches Grundniveau angemessen ist, ergibt sich aus Gefährdungsbeurteilung, ASR A3.4 und DIN EN 12464-1, siehe Ratgeber Beleuchtungsstärke nach ASR A3.4 und DIN EN 12464-1. Die Sicherheitsbeleuchtung ist ein eigenes System und bleibt von der Präsenzsteuerung unberührt. Mehr zur Grundlicht-Strategie im Ratgeber Grundlicht und Korridorfunktion.
Funk statt Kabel in der Kühlzelle
Jede zusätzliche Leitung in einer Kühlzelle bedeutet Arbeit an gedämmten Wänden und Decken, Durchführungen und Abdichtung. Weil die Sensoren per Bluetooth Mesh kommunizieren – laut Datenblatt mit bis zu 100 m Reichweite, beim EFS106W mit verbesserter Langstreckenantenne –, entfallen neue Steuerleitungen zwischen Sensoren und Zentrale. Die Funkverbindung durch Kühlzellenwände hängt allerdings von deren Aufbau ab, besonders bei metallischen Paneelen. Das prüfen wir bei der Aufnahme vor Ort. Hintergründe im Ratgeber Bluetooth Mesh in der Lichtsteuerung.
Monitoring: Belegung und Verbrauch im Blick
Jedes Projekt setzen wir mit dem AU-Manager um. Dadurch liefern alle Sensoren Belegungs- und Verbrauchsdaten. Für Kühlhäuser ist das besonders aufschlussreich: Sie sehen, wie oft Kühlzonen wirklich betreten werden, und können Zeitprogramme und Nachlaufzeiten auf dieser Grundlage anpassen. Der AU-Manager unterstützt laut Datenblatt BACnet/IP und lässt sich so an eine bestehende Leittechnik anbinden. Mehr unter Energiemonitoring und GLT und im Ratgeber Energiemonitoring in der Beleuchtung.
Pflicht und Förderung in dieser Branche
Kühlhäuser sind Nichtwohngebäude. Hat das Gebäude eine Heizungs-, Klima- oder kombinierte Lüftungsanlage über 70 kW, verlangt § 56 Abs. 6 GModG bis 31.12.2029 eine automatische Beleuchtungssteuerung; Zonierung und Belegungserkennung sind als Soll-Vorgabe der Regelfall. Ob und wie Kälteanlagen für die Lagerware dabei zu bewerten sind, ist im Einzelfall zu prüfen, denn der Schwellwert gilt je Anlage, und Heizung und Kühlung werden nie zusammengerechnet. Unabhängig davon spart die Präsenzsteuerung im Kühlbereich ab dem ersten Tag doppelt – beim Licht und bei der Kälte. Details auf Lichtsteuerung-Pflicht und im Ratgeber 70-kW-Schwelle prüfen.
Die Beleuchtung als eigene BEG-Einzelmaßnahme ist seit 21.07.2026 gestrichen. Als Teil eines Gebäudeautomations-Pakets mindestens Klasse B nach DIN V 18599-11 wird Lichtsteuerung weiterhin mit 15 % gefördert. Mehr im Ratgeber Förderung für Lichtsteuerung.
So unterstützen wir Sie
Wir nehmen Ihr Kühlhaus vor Ort auf, prüfen Temperaturbereiche, Feuchte, Torsituationen und Funkstrecken und planen Zonen und Nachlaufzeiten passend zu Ihren Abläufen. Das Ergebnis sehen Sie vorab in 3D in Sensora. Die Montage übernehmen wir in der Regel selbst, auf Wunsch montiert Ihr eigener Elektrofachbetrieb. Das Monitoring über den AU-Manager ist von Anfang an dabei. Sprechen Sie uns über Kontakt an.
Interaktiv ausprobieren
Sensor-Finder
Häufige Fragen
Welcher Präsenzmelder eignet sich für ein Kühlhaus?
Für Kühl- und Feuchtbereiche eignet sich der Highbay-Sensor EFS106W mit Schutzart IP66 laut Datenblatt. Er ist für Montagehöhen bis 22 m und Betriebstemperaturen von −33 °C bis 65 °C spezifiziert. Ob er für Ihre konkreten Bedingungen passt, prüfen wir im Projekt.
Funktionieren die Sensoren auch im Tiefkühllager?
Laut Datenblatt sind EFS104, EFS106 und EFS106W für Betriebstemperaturen ab −33 °C spezifiziert. Prüfen Sie, ob Ihre Raumtemperatur in diesem Bereich liegt, und klären Sie Kondensat, Vereisung sowie die Eignung der Leuchte im Einzelfall.
Warum spart Lichtsteuerung im Kühlhaus doppelt?
Die elektrische Leistung der Leuchten wird im Kühlraum zu Wärme, die die Kälteanlage wieder abführen muss. Weniger Brennstunden senken deshalb den Stromverbrauch der Beleuchtung und entlasten zusätzlich die Kälte.
Erkennt ein PIR-Sensor Personen in Kälteschutzkleidung?
Kälteschutzkleidung dämpft die Wärmeabstrahlung, gleichzeitig ist der Kontrast zur kalten Umgebung groß. Wie zuverlässig die Erfassung ist, wird bei der Inbetriebnahme mit echter Kleidung und echten Fahrzeugen getestet und über Position und Raster optimiert.
Wo sollten Sensoren an Kühlhaustoren sitzen?
Nicht direkt mit Blick auf die Toröffnung, weil dort warme und kalte Luft aufeinandertreffen. Besser ist eine Position über dem Fahrweg hinter dem Tor, ergänzt um eine eigene Zone für Schleusen, die die anschließende Kühlzone vorschaltet.




